Zeit

Wer keine Zeit für seine Gesundheit aufwendet,
wird eines Tages viel Zeit für seine Krankheiten aufwenden müssen

 
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Hallo, ich heisse Nadine und bin jetzt 26 Jahre alt. Ich habe/ hatte eine angeborene Fehlstellung beider Hüftgelenke, welche jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt ist/war.

Vorgeschichte
Das ich eine angeborene Fehlstellung der Hüfgelenke habe/hatte, wusste ich zunächst nicht. Wie mir später erzählt wurde, wurde es bei mir zwar im Babyalter festgestellt, aber ich gehörte wohl zu den ersten Jahrgängen, wo man nicht gleich operierte, sondern konservativ behandelte. Da die Fehlstellungen nicht besonders stark ausgeprägt waren, wurde einfach abgewartet, was sich so tut. Und es tat sich nichts. Ich hatte keine Probleme, wuchs ganz normal auf, machte viel Sport und merkte nichts von der Fehlstellung.

Verzweiflung
Irgendwann so im Alter von 18 Jahren (1998) hatte ich das erste Mal Schmerzen in der Leiste. Diese gingen aber immer wieder weg und traten nur sporadisch auf. Irgendwann wurde es aber doch schlimmer, so dass ich zum Arzt ging. Der diagnostizierte auch die leichte Fehlstellung, welche im rechten Hüftgelenk allerdings ausgeprägter war als im Linken. Ich bekam Enzyme verschrieben und sollte es damit versuchen. Falls das nichts helfen würde, wurde mir Krankengymnastik in Aussicht gestellt. Von einer OP war nie die Rede.

Nachdem die Enzyme nicht halfen, machte ich Krankengymnastik und als die Schmerzen dann doch dauerhaft und stärker auftraten, kam das erste Mal eine OP ins Gespräch. Da war ich so ein ¾ Jahr in Behandlung. Zu der Zeit hatte ich quasi immer Schmerzen. Beim sitzen, stehen und laufen. Irgendwas tat immer weh. Mein Orthopäde überwies mich nach erfolgloser konservativer Therapie und mit akuten Schmerzen ins Marienkrankenhaus in Düsseldorf-Kaiserswerth (Orthopädische Fachklinik). Das war im März/April 1999.

Dort rief ich für einen Vorstellungstermin an und als ich auf diesen Termin 3 Monate warten sollte, bat ich meinen Orthopäden um eine Überweisung an eine andere Klinik. Er bestand aber darauf, dass ich ins Marienkrankenhaus gehe und wollte mir keine andere Überweisung ausstellen (Was auch gut so war).

Ich habe also auf diesen Termin gewartet, was mir schon schwer fiel, weil ich doch schon recht verzweifelt war mit meinen Schmerzen. Bei dem Termin, welcher bei einem Oberarzt stattfand, wurde mir dann ein weiterer Termin in 3 Monaten in Aussicht gestellt, weil man nicht vorschnell operieren wollte und die Schmerzen erst mind. 6 Monate akut sein sollten, ohne dass sie abklingen. Von diesem Ergebnis war ich recht enttäuscht und nach 3 Monate hatte ich den nächsten Termin. Es hatte sich nichts geändert, ich hatte nach wie vor Schmerzen und man empfahl mir jetzt eine varisierende Umstellungsosteotomie des rechten Hüftgelenkes. In meinem Fall stand der Hüftkopf zu steil. Einen Termin bekam ich für Ende November 1999.

Varisierung
Der Termin rückte immer Näher und ich sollte zur Eigenblutspende. Das machte mich schon etwas stutzig, weil mir das eigentliche Ausmass der OP nicht so ganz bewusst war. Da sollte halt der Oberschenkelknochen durchgesägt, ein Stück rausgenommen und etwas gedreht wieder zusammengenagelt werden. Hörte sich für mich recht primitiv an. Und genau mit dieser Einstellung ging ich die Sache an. Ich freute mich schon drauf, die Schmerzen endlich loszuwerden. Da war mir alles egal. Ich hatte vor der OP Angst vor Spritzen und Ähnlichem, war noch nie im Krankenhause und wurde erst recht nicht operiert. Selbst Impfungen und Spritzen beim Zahnarzt waren immer mit grosser Überwindung verbunden, aber jetzt war das alles egal. Ich spendete 6 Wochen vor der OP einmal Eigenblut im Marienkrankenhaus (die haben eine eigene Blutbank, da die sehr häufig mit Eigenblutspenden arbeiten) und ging Ende November an einem Montag ins Krankenhaus.

Am Aufnahmetag passierte das Übliche, wobei das für mich alles neu war. Röntgen, Ekg, Blutabnahme etc. Das erste Mal mulmig wurde mir bei der Vorbesprechung und den ganzen Risiken, aber da musste ich jetzt durch. Ich hatte ein 2-Bett-Zimmer, welches ich mir mit einer Frau aus Würzburg teilte, die nach ewigem hin und her im Marienkrankenhaus gelandet war und am Rücken operiert wurde. Ein Zimmer weiter lag ein Leibwächter eines Scheichs, der für eine Knie-OP nach Deutschland gekommen war. All das machte mich doch zuversichtlich, was die Künste der Ärzte im doch kleinen Marienkrankenhaus anging. Das Krankenhaus ist nicht gross, spezialisiert auf Orthopädie und hat einen sehr guten Ruf. Ich lernte auch noch den Chefarzt kennen, welcher mich operieren würde (Dr. Steffen) und fand ihn sehr nett und umgänglich. Er erweckte nicht im geringsten den Eindruck eines Halbgottes in weiss, sondern war sehr bemüht und wusste sich so zu äussern, das auch Nichtmediziner ihn verstehen.

Es geht los
Am Abend gabs dann die erste "Scheissegal-Tablette" und ich hatte eine gute Nacht. Am nächsten morgen war ich die Zweite im OP und irgendwann ging alles super schnell. Ich kam in den OP, der Zugang wurde gelegt und ich schlief ein. Als ich aufwachte war mein erster Gedanke, ob ich Schmerzen habe, aber Fehlanzeige, gar nichts. Dann musste ich erstmal kontrollieren, ob auch das richtige Bein operiert wurde, da hatte ich echt Angst vor - dass die das falsche Bein machen. Aber es war alles ok.

Ich lag noch ein paar Stunden auf der Aufwachstation und wurde dann auf mein Zimmer verlegt. Normalerweise bleibt man wohl die ganze Nacht auf der Aufwachstation, aber mir ging es so gut, dass das nicht nötig war. Unangenehm fand ich, dass ich sehr eingeschränkt war. Neben zwei Zugängen (einen in jedem Arm), hatte ich einen Blasenkatheter und Drainageschläuche. Die Zugänge in den Armen nervten am meisten und wurden am nächsten Tag gezogen. Über den Blasenkatheter war ich tatsächlich sehr froh, den auf Toilette hätte ich wirklich nicht gewollt. Am ersten Tag nach der OP musste ich aufstehen und ein paar Schritte durchs Zimmer machen, was ganz gut ging. Doch jede Bewegung verursachte unangenehme Schmerzen, so dass ich am liebsten im Bett lag. Es hielt sich aber alles in Grenzen und mit Schmerzmitteln war das gar kein Problem.

Ich wurde dienstags operiert und ab samstags brauchte ich keine Schmerzmittel mehr. Am 3. Tag nach der OP fing ich an selbstständig aufzustehen und an Krücken zu laufen, wobei ich von Anfang das operierte Bein ganz leicht belasten sollte, damit es in Bewegung kommt. An diesem Tag wurden auch der Blasenkatheter und die Drainageschläuche gezogen, was problemlos und schmerzfrei war. Ab da ging es aufwärts, wobei ich mit der Zeit schon sehr erschrocken über die Auswirkungen der OP war. Am liebsten blieb ich nach wie vor im Bett.

Nach 15 Tagen wurde ich entlassen und mir ging es soweit gut. Ich weiss noch, dass der Stationsarzt schon nach einer Woche von Entlassung sprach, weil ich fit war und die wohl sonst oft ältere Leute gewohnt sind. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich aber nicht nach Hause gewollt. Es wäre auch nicht gegangen. Nach 2 Wochen war das aber ok.

Wieder Zuhause
Ich war dann noch 8 Wochen krankgeschrieben und durfte mit der Zeit das Bein immer mehr belasten und kam gut zurecht. Nach 10 Wochen war ich noch mal im Krankenhaus beim Chefarzt und wurde als erstes angemacht, warum ich nur mit einer Krücke gehe. Nach einem Blick auf das Röntgenbild, revidierte er das aber, weil das wohl sehr gut aussah und wollte im Sommer 2000 das linke Bein operieren. Davon nahm ich aber erstmal Abstand, weil diese Seite keine Probleme machte. Ich ging insgesamt ca. 12 Wochen an Krücken und danach immer mehr ohne. Wobei mein Gangbild am Anfang sehr schlecht war, aber das besserte sich. Nach 6 Monaten war dann soweit alles ok und ich machte wieder alles. Wobei ich die Metallplatte als recht störend empfand. Die Platte war direkt unter der Muskulatur am rechten Aussenschenkel und ca. 2cm dick. Da diese Muskulatur recht dünn ist, konnte man die Platte zum einen ganz genau ertasten und sie reizte auch immer wieder die Muskulatur. Ausserdem führte die Umstellung und die damit geänderte Belastung der Muskeln zu Muskelschmerzen im gesamten rechten Bein. Es war quasi jeder Muskel mal dran. Aber auch das wurde besser und war zu ertragen.

Metallentfernung
Gut 1 Jahr nach der Umstellung (März 2001) kam das Metall raus. Und dazu kann ich nur sagen: je eher desto besser. So zumindest mein Empfinden. Die Entfernung war für mich ein Klaks. Genau wie die Umstellung habe ich auch das unter Vollnarkose machen lassen. Aber die Nachwirkungen waren wesentlich geringer. Lag aber wohl an der Narkosedauer. Bei der Umstellung waren es 3 Stunden, jetzt 40 Minuten. Den OP-Tag habe ich komplett verschlafen, aber am nächsten Tag war ich fit und mit Krücken unterwegs. Im Zimmer lief ich ohne Krücken und musste mich vom Stationsarzt bitten lassen doch wenigstens in der ersten Woche die Krücken zu nutzen, um mir dann bei einem Ausflug auf den Gang vom Chefarzt sagen zu lassen, dass müsse aber auch schon ohne Krücken gehen *lach*. Ich musste eine Woche im Krankenhaus bleiben, was durch die grosse Wunde von 15 Zentimetern erklärt wurde, welche schlechter verheilte als bei der Umstellung, da das Gewebe ja schon vernarbt war. 10 Tage nach der OP ging ich wieder Joggen und alle Muskelprobleme waren mit der Metallentfernung weg.

Wie geht es mir heute?
Die Umstellung ist jetzt 6,5 Jahre her. Es geht mir gut. Selten (2-3 Mal im Jahr) habe ich mal ein Ziehen in der Leiste, aber ansonsten geht's mir sehr gut.

Fazit
Ich würde es immer wieder machen und würde auch die linke Seite operieren lassen, wenn ich dort ähnliche Probleme bekommen würde. Ich kann das Marienkrankenhaus in Düsseldorf- Kaiserswerth nur empfehlen. Ich habe mich dort sehr gut betreut gefühlt (Ärzte, Schwestern, Pfleger, Krankengymnastik) und bin mit der Behandlung nach wie vor zufrieden. Für meine Hüfte war die Varisierung der Schlüssel zum Erfolg, doch da Bettina`s Internetseite überwiegend über die Beckenostotomie informiert, möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass im Marienkrankenhaus auch Dreifachbeckenosteotomien gemacht werden!


23.05.2006, Nadine





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